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"Astro-TV ist eine echte Frechheit"

Wien. Es gibt ja eigentlich nur zwei Arten, sich dem Thema Astrologie anzunähern: Entweder man glaubt daran oder eben nicht. Ungeachtet dieser Tatsache ist jüngst ein "fachlicher" Disput zwischen Astrologen und Astronomen entbrannt, der sich auch um das Problem der wissenschaftlichen Redlichkeit dreht.

Auslöser der kollegialen Auseinandersetzung ist eine Ausbildung zum Astrologen, die am Wirtschaftsförderungsinstitut (Wifi) Wien angeboten wird. Studenten des Instituts für Astronomie in Wien fanden sich letzte Woche im Wifi ein, um ihren Protest gegen die "Pseudowissenschaft" Astrologie kundzutun. Am Wifi würden Kurse angeboten, deren Inhalt jeglicher wissenschaftlicher Grundlage entbehrt. Die Stellungnahme des Wifi dazu lautet: "Astrologen sind Mitglieder der allgemeinen Fachgruppe des Gewerbes der Wirtschaftskammer. Den Wirtschaftskammern obliegt die Aufgabe der Förderung der Wirtschaft, auch durch das Anbieten von Aus- und Weiterbildungen."

Überholtes Weltbild

Thomas Posch vom Institut für Astronomie entgegnet: "Es ist nicht zu akzeptieren, wenn im öffentlichen Bereich, also über geschlossene Esoteriker-Kreise hinaus, Prinzipien der Pseudowissenschaft Astrologie zur Anwendung kommen. Die berufliche Sphäre ist für mich ein Teil des öffentlichen Bereichs." Der promovierte Philosoph bemerkt außerdem, dass "aus Sicht der Philosophiegeschichte die Astrologie Teil eines weltanschaulichen Systems ist, das mit dem Übergang von der Renaissance zur Aufklärung in allen Bereichen überwunden wurde".

Peter Fraiss, Bundessprecher für Astrologie der Wirtschaftskammer Österreich, argumentiert, dass das schlechte Image der Astrologie vor allem durch Zeitungshoroskope oder Astro-TV entstünde. Letzteres hält er "für eine Frechheit", die mit seriöser Beratung gar nichts zu tun hätte: "Die Astronomen versuchen auf die Astrologie wissenschaftliche Kriterien anzuwenden, die auf immaterielle Dinge einfach nicht anwendbar sind. In der Wissenschaft müssen Dinge messbar sein. Ein Traum ist das auch nicht, trotzdem haben wir ihn erlebt." Die fehlenden Objektivität, die Kritiker der Astrologie vorwerfen, gäbe es auch in der Psychologie, Medizin oder Theologie. Fraiss dazu: "Gehen sie zu zehn verschiedenen Ärzten und sie bekommen zehn verschiedene Diagnosen". "Sterne haben keinerlei Einfluss auf uns", betont auch die Präsidentin des Astrologenverbandes Maria-Luise Mathis. "Astrologie kann lediglich eine Zeitqualität beschreiben".

Ein seriös erstelltes Horoskop könne also verraten, wann der Zeitpunkt günstig wäre, seinen Job zu kündigen oder ein Aktienportfolio zu erwerben. Der Markt gibt ihr recht. Mittlerweile sind Horoskope mancherorts sogar Entscheidungsgrundlage für Personalauswahl. Auch Politiker, Manager oder Professoren gehören angeblich zum Klientel von Mathis. Woran kann der Laie nun aber erkennen, was seriös ist? "Im Grunde gar nicht", meint Fraiss. "Die Liberalisierung des Gewerberechts sieht vor, dass der Markt entscheidet, wer gut ist".

Freies Gewerbe

Astrologie ist ein freies Gewerbe. Der Berufstitel ist nicht geschützt. Jeder, der sich berufen fühlt, kann ein Gewerbe anmelden und sein astrologisches Unwesen treiben. Die Kammer bemüht sich zwar um Zertifizierungen, wie man den Wildwuchs aber verhindert, steht in den Sternen. Von Alexa Jirez

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Letzte Änderung des Artikels: 2008-03-23 02:43
Verfasser des Artikels: admin

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