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2008-03-23 02:45

"Astro-TV ist eine echte Frechheit"

Wien. Es gibt ja eigentlich nur zwei Arten, sich dem Thema Astrologie anzunähern: Entweder man glaubt daran oder eben nicht. Ungeachtet dieser Tatsache ist jüngst ein "fachlicher" Disput zwischen Astrologen und Astronomen entbrannt, der sich auch um das Problem der wissenschaftlichen Redlichkeit dreht.

Auslöser der kollegialen Auseinandersetzung ist eine Ausbildung zum Astrologen, die am Wirtschaftsförderungsinstitut (Wifi) Wien angeboten wird. Studenten des Instituts für Astronomie in Wien fanden sich letzte Woche im Wifi ein, um ihren Protest gegen die "Pseudowissenschaft" Astrologie kundzutun. Am Wifi würden Kurse angeboten, deren Inhalt jeglicher wissenschaftlicher Grundlage entbehrt. Die Stellungnahme des Wifi dazu lautet: "Astrologen sind Mitglieder der allgemeinen Fachgruppe des Gewerbes der Wirtschaftskammer. Den Wirtschaftskammern obliegt die Aufgabe der Förderung der Wirtschaft, auch durch das Anbieten von Aus- und Weiterbildungen."

Überholtes Weltbild

Thomas Posch vom Institut für Astronomie entgegnet: "Es ist nicht zu akzeptieren, wenn im öffentlichen Bereich, also über geschlossene Esoteriker-Kreise hinaus, Prinzipien der Pseudowissenschaft Astrologie zur Anwendung kommen. Die berufliche Sphäre ist für mich ein Teil des öffentlichen Bereichs." Der promovierte Philosoph bemerkt außerdem, dass "aus Sicht der Philosophiegeschichte die Astrologie Teil eines weltanschaulichen Systems ist, das mit dem Übergang von der Renaissance zur Aufklärung in allen Bereichen überwunden wurde".

Peter Fraiss, Bundessprecher für Astrologie der Wirtschaftskammer Österreich, argumentiert, dass das schlechte Image der Astrologie vor allem durch Zeitungshoroskope oder Astro-TV entstünde. Letzteres hält er "für eine Frechheit", die mit seriöser Beratung gar nichts zu tun hätte: "Die Astronomen versuchen auf die Astrologie wissenschaftliche Kriterien anzuwenden, die auf immaterielle Dinge einfach nicht anwendbar sind. In der Wissenschaft müssen Dinge messbar sein. Ein Traum ist das auch nicht, trotzdem haben wir ihn erlebt." Die fehlenden Objektivität, die Kritiker der Astrologie vorwerfen, gäbe es auch in der Psychologie, Medizin oder Theologie. Fraiss dazu: "Gehen sie zu zehn verschiedenen Ärzten und sie bekommen zehn verschiedene Diagnosen". "Sterne haben keinerlei Einfluss auf uns", betont auch die Präsidentin des Astrologenverbandes Maria-Luise Mathis. "Astrologie kann lediglich eine Zeitqualität beschreiben".

Ein seriös erstelltes Horoskop könne also verraten, wann der Zeitpunkt günstig wäre, seinen Job zu kündigen oder ein Aktienportfolio zu erwerben. Der Markt gibt ihr recht. Mittlerweile sind Horoskope mancherorts sogar Entscheidungsgrundlage für Personalauswahl. Auch Politiker, Manager oder Professoren gehören angeblich zum Klientel von Mathis. Woran kann der Laie nun aber erkennen, was seriös ist? "Im Grunde gar nicht", meint Fraiss. "Die Liberalisierung des Gewerberechts sieht vor, dass der Markt entscheidet, wer gut ist".

Freies Gewerbe

Astrologie ist ein freies Gewerbe. Der Berufstitel ist nicht geschützt. Jeder, der sich berufen fühlt, kann ein Gewerbe anmelden und sein astrologisches Unwesen treiben. Die Kammer bemüht sich zwar um Zertifizierungen, wie man den Wildwuchs aber verhindert, steht in den Sternen. Von Alexa Jirez

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Info: wienerzeitung.at
2008-03-23 02:43

Wenn Wahrsagerei süchtig macht  Wenn Wahrsagerei süchtig macht

Foto: pa Es gibt Menschen, die können ohne Esoterik nicht leben: Tarot-Karten, Runenlesen, Astrologie und andere Weissagungspraktiken bilden einen riesigen Markt. Frauen fühlen sich davon besonders angesprochen. Eine TV-Reportage geht dem wachsenden Bedürfnis nach Lebenshilfe und Orientierung auf den Grund.

Beim Friseur, beim Arzt oder bei der täglichen Zeitungslektüre: Rund 90 Prozent aller Deutschen studieren regelmäßig ihr Horoskop. Es sei ein Spaß, einfach nur unterhaltsam, lautet die Erklärung der meisten. Ob Wahrheit oder Ausrede – Tatsache bleibt, dass Astrologie und Wahrsagerei immer häufiger zu Rate gezogen werden. In ihrer Reportage „Nicht ohne meinen Wahrsager“ versuchen Wibke Kämpfer und Sandra Kloss zu klären, warum das Geschäft mit dem Blick in die Zukunft boomt. Sie besuchen Menschen, die glauben, auf den Rat von Astrologen und Kartenlesern angewiesen zu sein. Zu sehen ist der Film am Sonntag um 17.30 Uhr in der ARD.

Ganz offensichtlich vertrauen auch in der heutigen aufgeklärten, rationellen Gesellschaft viele Menschen vor wichtigen Entscheidungen auf Zukunftsbefragungen. 62 Prozent aller Frauen geben an, sich schon einmal Hilfe bei esoterischen Beratern geholt zu haben. Sie stellen auch den größten Teil der Kundschaft. Nach Schätzungen werden mit Sterndeuterei und Wahrsagen jährlich eine Viertelmilliarde Euro erwirtschaftet.

Verzweifelte Suche nach Rat

Das Geld kommt von Menschen wie Petra Bastani, die in diesem Film über ihren Alltag berichtet. Die Witwe ist eine bekennende Esoterikerin. Runenstäbchen und Buddhastatuen gehören zu ihrem Alltag. In den verschiedenen Ritualen und Befragungen findet sie Bestätigung und Lebenshilfe, das kostet sie eine Menge Geld. So hat sie über 1.000 Euro ausgegeben für ein Ritual, das sie in einer schwierigen Lebenssituation von einer Wahrsagerin ausführen ließ. Heute sieht sie das kritisch, weil sie glaubt, dass damit das Leiden ihrer krebskranken Mutter unnötig verlängert wurde.
Dass esoterische Beratung zur Sucht führen kann, zeigt das Beispiel der 24-jährigen Kati W. Vor zwei Jahren verließ sie ihr Freund nach vierjähriger Beziehung wegen einer anderen Frau. Verzweifelt suchte Kati Rat bei einer der unzähligen esoterischen Beratungshotlines, die über Anzeigen und im Internet ihre Dienste anbieten. Bis zu vier verschiedene Berater am Tag konsultierte die junge Frau stets mit der gleiche Frage: „Wird er zu mir zurückkommen?“. Ohne diese Gespräche konnte sie nicht mehr einschlafen.

2,50 Euro die Minute

Die horrenden Kosten, die damit verbunden waren, schreckten sie nicht. Bis zu 2,50 Euro die Minute und mehr kosten solche Beratungsgespräche. Schließlich war Kati hoch verschuldet. Nur durch die Hilfe ihres Vaters gelang es ihr, sich aus diesem Sog zu befreien. Vor der Kamera erzählt sie über ihren Kampf gegen ihre Esoteriksucht.

„Es gibt immer mehr Menschen, die unter dieser Sucht leiden, aber es war sehr schwierig, jemanden zu finden, der bereit war, sich offen zu äußern“, berichtet Sandra Kloss. Auch eine Heilerin und Reiki-Meisterin haben die Autorinnen aufgesucht. Marion Nietke versucht ihren Kunden, unterstützt von esoterischen Methoden, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. „Sie ist eine beeindruckende Frau mit einer tollen Persönlichkeit, die ich sehr schätzen gelernt habe. Die Beratung bei ihr gleicht eher einer Therapiesitzung“, berichtet Sandra Kloss.

Wie Astrologie aus christlicher Sicht betrachtet wird, wollten die Autorinnen von Pater Gerhard Voss vom Kloster Niederaltaich wissen. Er ist ein Kenner der Materie und erklärt, dass die Sterne wie alle Schöpfung Gottes Fügung unterlägen. Die Menschen sollten sich deshalb nicht an den Sternen, sondern an Gottes Weisungen orientieren.

Info: welt.de
2007-11-09 16:13

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